blogoscoop

6.12.09

Tobender Streit regional begrenzt

Manchmal übertreiben sie auch in Süddeutschland:

Überall Verlierer
Debatte um "Null-Euro-Jobber

Schüler packen an Supermarktkassen Einkaufstüten - und bekommen nichts als das Trinkgeld. Ausbeutung oder erfolgreiches Geschäftsmodell? Der Streit tobt. ...

Hier, wo die OZ zu Hause zu sein vorgibt, tobt er nicht, in der OZ sowieso nicht.

Klimagipfel? Es geht nur ums Geschäft!

Bevor die OZ mit der Wiedergabe von Bonzengequake vorgibt, über den sog. Klimagipfel zu berichten, hier eine Einschätzung der Angelegenheit, die meiner Einschätzung zum Großteil nahekommt:

Klimahysterie als Wirtschaftsfaktor

Wenn sich die Mächtigen der Welt nun in Kopenhagen über verbindliche Ziele zur CO2-Reduktion streiten, geht es nicht um die Rettung der Welt. Es geht auch nicht um die unzähligen Menschen, die durch den Klimawandel, der irreversibel ist und auch von Frau Dr. Merkel nicht gestoppt werden kann, Schaden nehmen. Für die meisten Teilnehmer geht es in Kopenhagen um nichts anderes, als um den schnöden Mammon. OECD gegen Schwellenländer, Deutschland gegen alle. Die Umwelttechnologie ist ein gigantischer Markt mit einem Billionenvolumen – Tendenz steil aufwärts und Weltmarktführer ist Deutschland. Da wundert es kaum, warum in Deutschland der Klimawandel hysterischer als in anderen Ländern kommentiert wird. Bei all ihrem Geschachere um CO2-Reduktion und Investitionsquoten verschenkt die Weltgemeinschaft dabei die Chance, die Folgen des Klimawandels wirklich zu minimieren. ...

Unerhörtes ist kein OZ-Thema

Die OZ berichtet mit immer noch einem Langweiler vom Weihnachtsmarkt (ich fürchte, sie haben vor, jeden Krämer vorzustellen), als gäbe es nichts Interessantes. Doch jene unter den Greifswaldern, die keine Bunkerbewohner sind, wissen, dass gegen den Abriss des Hauses Stralsunder Str. 10 protestiert wird.

Hier können Sie sich informieren (Versuchen Sie das einmal mit Hilfe der OZ!) und im Internet gegen den Abriss protestieren, wenn Sie Greifswalder sind.

Sie können dort auswählen, wem Sie Ihre Meinung zu dem geplanten Abriss senden wollen:
der Bürgerschaft Greifswald,
dem Eigentümer Petruswerk und seinem Geschäftsführer,
dem Greifswalder Oberbürgermeister und seinen Stellvertretern,
dem Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege
und
den lokalen Medien:

Hier der Text an die Medien:

... seit einiger Zeit spielt sich aus meiner Sicht etwas Unerhörtes hier in Greifswald ab und ich bin enttäuscht, dass Sie darüber nicht ausführlich berichten. Es drängt sich aus meiner Sicht der Verdacht auf, dass Teile der städtischen Verwaltung und auch der Bürgerschaft recht einseitig versuchen dem Petruswerk als neuem Besitzer der Stralsunder Straße 10 entgegen zu kommen. Die Bürgerinitiative, die es sich zum Ziel gemacht hat, das Haus im historischen Zustand zu erhalten, wird dabei beständig aussen vor gelassen.
Jetzt stellt sich anscheinend die Frage, ob einem Abriss des Gebäudes zugestimmt werden soll. Wieso kann es in Greifswald unkommentiert von Statten gehen, dass das Petruswerk erst sagt, es würde sich für den Erhalt im historischen Zustand einsetzen, jetzt meint, alles muss abgerissen werden und die Bürgervertreter ernsthaft darüber nachdenken, diesem Ansinnen des "Investors" entgegenzukommen?
Auf die Idee, die Greifswalderinnen und Greifswalder zu fragen, ob sie denn einen Abriss befürworten, wenn es eine Möglichkeit gibt, das Haus zu erhalten, ist anscheinend auch noch kein Bürgerschaftsmitglied gekommen.
Ich wünschte mir, Sie als lokale Medien würden diese Fragen stärker beleuchten.

Nun kann die Greifswalder Zeitung nicht alle Wünsche erfüllen lassen, denn sie hat ja schon mit ihrer Weihnachtsaktion mächtig zu tun und wird sich nicht verzetteln wollen. Das ahnen wohl auch die Abrissgegner. Deshalb rufen sie zu einer Protestaktion auf, die am 14. Dezember um 16.30 Uhr in der Stralsunder Straße 10 beginnt.

5.12.09

Thema auf dem Kohlenhof nicht erkannt

Da schwadroniert die OZ über den Klimagipfel, der nichts bringen wird außer Kosten:
Klimagipfel: Ist die Erde zu retten?
Woher soll ich das wissen?
Muss ich das wissen oder die OZ?
Was soll das, ständig Geld für Spekulationen zu verlangen?

Dabei liegen die Themen bildlich auf dem Kohlenhof:

In Mecklenburg-Vorpommern wurden im Jahr 2005  10,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmo­sphäre emittiert, davon kamen 37 Prozent aus dem Sektor Energiegewinnung, 31 Prozent aus dem Verkehr, 28 Prozent aus dem Bereich Haushalte, Kleingewerbe, Handel und Dienstleistungen sowie 5 Prozent aus der Industrie.
Rein rechnerisch waren das zusammen 6 Tonnen je Einwohner (Deutschland: insgesamt knapp 11 Tonnen je Einwohner), umfassten aber nur 1 Prozent der gesamten Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland.
Ist doch eine gute Sache! Doch was wäre, Dong baute die Giftschleuder an den Bodden und das Ding produzierte Strom? Der Kohlendioxid-Ausstoß verdoppelte sich fast. Diesen und andere naheliegende Zusammenhänge zu erkennen, aufzuschreiben und Ihnen zu verkaufen, weil sie hier passieren, wo Sie zu Hause sind, erwarte ich von einer Tageszeitung, die über den sog. Klimagipfel berichtet. Das würde sich Hochwertigem nähern.

Nachtrag, 6. Dezember:

Hier noch eine Kleinigkeit, von der OZ unbeachtet:



Sie hat sich innerhalb von zwölf Jahren verzwölffacht, wie das Diagramm zeigt.
Zum Vergrößern aufs Diagramm klicken!

Offene Frage

Der Greifswalder Lokalchef betrachtete Verkehrsfragen:
Die Betrachtung zum Wochenende
Bahn benötigt Konkurrenz
Wussten Sie, liebe Leserinnen und Leser, dass es ein Gesetz von 1931 gibt, welches Buslinien den Fernverkehr über 50 km verbietet.
Wie wäre es mit einem Fragezeichen nach einer Frage?
Nein, wusste ich nicht. Ich weiß nicht einmal, ob ich ein lieber Leser bin.
Um ehrlich zu sein, ich habe das gestern zum ersten Mal in der OZ gelesen.
Ach ehrlich? Und sonst lügt er?
Aber mit Interesse. Denn sollte diese Verlautbarung, wie angekündigt, 2011 kippen, würden wir Greifswalder davon nämlich profitieren. ...
Das ist seltsam, denn am Ende betrachtete er:
Ein Bus mit attraktivem Fahrplan wäre eine Super-Alternative. Bis Rostock gibt es ihn ja bereits unter dem Namen "binschonda". ...
Greifswald ist von Rostock 85 Kilometer (Luftlinie) entfernt. Sind doch mehr als 50 Kilometer. Warum muss also ein uraltes 50 km-Gesetz gekippt werden? Dafür hätte ich mir als lieber Leser eine Erklärung gewünscht.

Wo heißt es "Leinen los"?

Nun hat die OZ doch über die Klimapiraten berichtet, die nach Kopenhagen segeln wollen. Sie tat es so:
Umweltaktivisten aus MV setzen Segel
Aus Mecklenburg-Vorpommern reisen zahlreiche Umweltaktivisten nach Kopenhagen. Ziel: "Die Politik dazu zu bringen, endlich etwas gegen den steigenden Ausstoß von Treibhausgasen zu tun", erklärt "Klimapirat" Johannes Krause. Er gehört zur etwa 50-köpfigen Crew, die mit dem Piratenschiff "Lovis" in die dänische Hauptstadt segeln will. "Leinen los" heißt es heute 12 Uhr im Museumshafen.
In welchem Museumshafen?
Ab 10.30 Uhr steigt ein buntes Hafenfest, erklärt Oskar Gulla.
In welchem Museumshafen?
Der Vorsitzende der Greifswalder Bürgerinitiative "Kein Steinkohlekraftwerk in Lubmin" will dem Energieriesen Dong Protestbotschaften überbringen. Auch Gottfried Timm (SPD), Vorsitzender im Innenausschuss des Landtages, reist nach Kopenhagen - ebenfalls per Segelboot. Start ist Mittwoch in Wismar.
Ist der Wismarer Museumshafen gemeint? Haben die dort überhaupt einen?
Rund 100 Umweltaktivisten wollen am 11. Dezember von Rostock aus zum UN-Klimagipfel aufbrechen. ...
Oder ist ein Museumshafen in Rostock gemeint?
Wer das verzapfte, hat keine Ahnung, wie eine Meldung geschrieben wird, hat aber laut OZ-Verlag Hochwertiges produziert.

Nachtrag, 6. Dezember:

Alle Antworten und viele weitere Informationen seit gestern auf webMoritz.de, kostenlos.
Und das Hochwertblatt?

Regierungsblättchen

Noch solch ein Mist:
Pendleraktionstag für Arbeit in MV
Mit einer Aktion am Schweriner Hauptbahnhof hat Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) gestern für das Arbeiten in MV statt des Pendelns in andere Bundesländer geworben. Seidel sagte laut Mitteilung: "Es gibt berufliche Perspektiven in Mecklenburg-Vorpommern. Nur sind diese leider noch zu wenig bekannt." ...
1. Der Rumstehr Seidel hat offensichtlich nichts Wichtigeres zu tun, wenn er solch einen Quark ablässt.
2. Die OZ hat kein besseres Material, wenn sie solch einen Mist an Sie verkauft.
3. Die Redaktion bekam nicht einmal mit, dass der Rumsteher den Arbeitsagenturen bildlich ans Bein pinkelte. Ist es nicht deren wichtigste Aufgabe, Leute zu vermitteln? Offensichtlich nicht; sonst müssten nicht solche Reden gehalten, irgendwelche Agenturen gegründet und Initiativen erfunden werden.
4. Die OZ belegt mit Texten wie denen über des Rumstehers neuestes Gequake, dass sie keine Ahnung hat oder haben will von dem, was in diesem Land wirklich passiert. Das erinnert fatal an die Zeit vor über 20 Jahren.

Mist vervielfältigt

Warum die OZ solch einen Mist meldet, ist mir schleierhaft:
Seidel: Löhne in Gastrobranche müssen steigen
Angesichts dramatisch geringer Löhne in der Hotelerie und Gastronomie des Nordostens von gerade mal 12 500 Euro brutto im Jahr hat Wirtschafts- und Tourismusminister Jürgen Seidel (CDU) eine bessere Entlohnung gefordert. ...
Jaund? Was bedeutet das? Nichts. Es passiert nichts, absolut nichts, wenn ein Bonze meint, es müsse etwas dies oder das tun, werden oder sein. Das ist Geschwätz, für das Sie bezahlen. Oder glauben Sie im Ernst, das die Touristik-Unternehmer ihren Beschäftigten auch nur einen Cent mehr zahlen, weil der Rumsteher das wünscht?

Wenden Sie sich an den OZ-Wirtschaftsweisen Ihres Vertrauens

Die OZ hatte indirekt die Weltwirtschaftskrise für beendet erklärt, und kopierte nun das:
Jedes vierte Unternehmen will Stellen streichen
... zehn Prozent der Unternehmen plant Neueinstellungen. ...
Wie das zusammenpasst, lassen Sie sich bitte vom OZ-Wirtschaftsweisen Ihres Vertrauens erläutern.

Redaktionsalltag: Pressemitteilungen kopieren

Die Redakteure der Greifswalder Zeitung wagen es zwar noch nicht, ihr Kürzel unter eine bearbeitete Pressemitteilung zu setzten, machen sich aber nichts daraus, nicht einmal zu erwähnen, dass der Text aus einer Pressemitteilung stammt. Das ist Redaktionsalltag oder wie der Verlag behauptet, hochwertig.
Richtig ist jedoch, dass solch ein Handeln gegen einen Grundsatz des Journalismus verstößt: die Herkunft der Information zu nennen. Natürlich hätte die Redaktion ein Problem, täte sie das, denn die Leser würden merken, wie wenig eigene Leistung in den Lokalseiten steckt, und sie würden merken, dass sie vieles kostenlos im Internet finden können, wie z.B. dies:
Polizei kontrolliert Radverkehr
Eng geht es derzeit zu in der Straße Am Mühlentor. Radfahrer- und Fußgänger müssen in diesem Teil der Fußgängerzone trotz der Budenzeile des Weihnachtsmarktes miteinander auskommen. ...
Zu einer sträflichen Unsitte sei es jedoch geworden, dass die Kontrollen der Polizei per Twitter verbreitet würden und somit oft nach kurzer Zeit unwirksam seien. „Doch wir lassen nicht locker, wir kontrollieren weiter um Unfälle, zu vermeiden.“
Die Pressemitteilung der Stadtverwaltung beginnt so:

Eng geht es derzeit zu in der Straße Am Mühlentor. Radfahrer- und Fußgänger müssen in diesem Teil der Fußgängerzone trotz der Budenzeile des Weihnachtsmarktes miteinander auskommen. ...
und endet so:
Zu einer sträflichen Unsitte sei es jedoch geworden, dass die Kontrollen der Polizei per Twitter verbreitet würden und somit oft nach kurzer Zeit unwirksam seien. „Doch wir lassen nicht locker, wir kontrollieren weiter um Unfälle, zu vermeiden.“ 
Das mit dem Nennen der Quelle werden die Redakteure anders sehen, denn der Pressekodex lässt ihnen freie Hand:
Richtlinie 1.3 - Pressemitteilungen
Pressemitteilungen müssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion veröffentlicht werden.
Hier ein Komma gesetzt, dort ein wenig gestrichen, und schon ist die Hochwertwelt der OZ wieder in Ordnung.
Sie können davon ausgehen, dass alle Texte, die nicht mit einem Kürzel versehen sind, Fremdmaterial sind, das ohne jede Recherche ins Blatt gelangt. Jedoch selbst Texte mit Kürzel müssen nicht von Redaktionsmitgliedern oder freien Mitarbeitern stammen, wie Sie bereits wissen, sondern können reine PR-Texte sein - OZ-Hochwert, den Sie auch noch bezahlen. Wenn das nächste Mal der Abopreis abgebucht wird, denken Sie daran, dass diese Hochwertproduzenten etwa doppelt so viel Gehalt erhalten wie ein Durchschnittsbeschäftigter in M-V.

Der kleine Unterschied

Heute preist die Greifswalder Zeitung eine Möglichkeit des privaten Englischunterrichtes an, als würde sie selbst Anteile an der Unternehmung haben:
Englisch lernen im heimischen Wohnzimmer
Seit April diesen Jahres ist die 26-jährige Clara-Annette Seidlein Inhaberin des ersten Mortimer English Clubs in Greifswald, eine der wenigen Filialen in den Neuen Bundesländern.  ...
Knallhartes Nachfragen nach Art des Hauses ergab:
Die Sprachkurse für Kinder ab zwei Jahren kämen besonders gut an. ...
Das Motto "Englisch lernen mit Spiel und Spaß" kommt auch bei den Eltern gut an. ...
"Mein Kind besucht seit Juni den Unterricht und geht seitdem sehr gern hierher", berichtet Beate Klingenberg. Die Idee bereits in ganz jungen Jahren Englisch zu lernen findet die Mutter "fantastisch" ...
Doch nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene und Senioren bietet der Club passende Angebote an. ...
Informationen:  03834/...... oder www. .... .de
Sehen Sie, was diesen Text von einer Anzeige unterscheidet, mit der jemand für sich und sein Unternehmen wirbt? Sehen Sie nicht? Doch, einen Unterschied fand ich: Der Text ist nicht als Anzeige gekennzeichnet, sondern ein redaktioneller Beitrag. Wenn das die Verlagsleitung wüsste, dass ihr wieder einmal eine Anzeige entgangen ist! Oder ist das sogar dem Verlag egal?

webMoritz-Amateure zeigen, wie Zeitung gemacht wird

Die Greifswalder Zeitung hatte am 28. November angekündigt:
Wie weiter mit dem Radverkehr? Bürgerversammlung sucht Antworten
Da bereits im ersten Satz geschrieben, muss dies eine besonderes hochwertige Entdeckung gewesen sein:
Klimaschutz wird in unserer Stadt seit Jahren großgeschrieben ...
Und wo wird Klimaschutz klein geschrieben? Auf dem Mond? Ganz einfach, es gibt im Duden keine Möglichkeit, Klimaschutz klein zu schreiben. In der OZ-Redaktion muss es jedoch solch eine Variante geben, sonst stünde so ein Quatsch nicht in der Zeitung.
Interessanter ist, wie der Satz fortgesetzt wurde:
auch wenn Kritiker angesichts der globalen Probleme den Beitrag einer Kommune eher geringschätzen.
Achja? Wer sind denn die geringschätzenden Kritiker? Lassen Sie sich als zahlender Leser doch wenigstens einen nennen. Wenn dort niemand benannt werden kann, haben Sie der OZ ein Vorurteil statt einer Information abgekauft.

Ob die Versammelten Antworten fanden und wenn ja, welche, steht nicht in der Tages-Zeitung. Spätestens gestern wäre Gelegenheit gewesen, darüber zu berichten, denn die Versammlung hatte bereits am Mittwoch stattgefunden.

Die Amateure von webMoritz haben alles zusammengefasst und kostenlos ins Netz gestellt, was in der OZ nicht einmal gegen Geld zu erfahren ist. Fragt sich natürlich, wer die tatsächlichen Amateure sind. Ist allerdings auch nicht so, dass die Greifswalder aus der OZ nichts Neues über das Radfahren erfahren:
Polizei kontrolliert Radverkehr

4.12.09

Giftschleuder: Klimapiraten segeln von Greifswald nach Kopenhagen

Hat die Greifswalder Zeitung, die sonst jeden Käse ankündigt, auch dies angekündigt?

Klimapiraten segeln nach Kopenhagen

... Vor allem der geplante Bau eines Kohlekraftwerks in Lubmin hatte die Aktivisten auf Greifswald aufmerksam werden lassen. ...

Greifswald ist auch der Ort des Auftakts für die Aktionen, die in direktem Zusammenhang mit dem Gipfel stehen. Unter dem Motto “Leinen los” werden am 5. Dezember etwa 50 Aktivisten von Greifswald nach Kopenhagen segeln. Ab 10:30 Uhr wird es am Samstagvormittag im Museumshafen ein buntes Hafenfest mit warmen Getränken, Musik, Informationen über den Klimawandel und den Gipfel in Kopenhagen sowie Mitmachangeboten verschiedener Organisationen geben. Auch die Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk Lubmin wird mit Informationen zum geplanten Kraftwerksbau präsent sein. Gegen 11:30 sticht das “Piratenschiff” in See.
Im Laufe des Gipfels, vom 7. bis 18. Dezember, sollen dann sowohl in Dänemark als auch in Deutschland weitere Aktionen stattfinden. Unter anderem ist ein Besuch beim dänischen Energiekonzern DONG geplant, der sich für die Pläne in Lubmin verantwortlich zeichnet. ...

Es gibt keine Themennot

Die OZ pflegt Stetigkeit, wenn es um die journalistische Qualität geht; sie nimmt nach meinen Beobachtungen ab. Sie pflegt auch die Stetigkeit, Themen zumeist nach ein paar Tagen zu vergessen.

Mir fiel eines dieser ungezählten Thema auf. Die Grimmener Zeitung hatte vor fast vier Jahren ahnungs- und deshalb kritiklos berichtet, wie eine große Familie ein Haus kaufte:
"Wir sind glücklich, dieses Haus für unsere große Familie gefunden zu haben. Es ist ein vollständig anderes Leben als in der 75-Quadratmeter-Mietwohnung in Richtenberg. Die Kinder können laut sein und in der Natur spielen", beschreibt er sein Glück, dieses Haus auf Mietkaufbasis erwerben zu können. ...

"Ohne den Kompromiss des Mietkaufes auf 22 Jahre durch die Vorbesitzerin Sylvia Staubach wäre das Haus ein Traum geblieben." ...
Ich schrieb damals dazu:

Und so schrieb sie weitere 1835 Anschläge am Langweiler des Tages, ganz abgesehen davon, dass sie den Mietkauf des Hauses als eine feine Sache darstellt, ohne die beschriebene knappe Finanzierung in diesem Fall kritisch zu beurteilen.

Ein paar Tage später erinnerte ich daran, weil die Stiftung Warentest gewarnt hatte:

Mietkauf? Risiken kaum kalkulierbar!

Ich habe so eine Ahnung, was aus der Familie geworden ist. Wie wäre es, die OZ, hier zu Hause (?), kümmerte sich um den Fortgang der Geschichte, die sie ja schließlich ins Blatt gebracht hatte, auch weil ich dies fand:

Eigenheim-Finanzierung

Zitat des Tages

Hier zu finden:

... dass sehr viele Medien dieser Kanzlerin in großer Kontinuität die Treue gehalten haben, daran kann es ja keinen Zweifel, darüber kann es nur Erstaunen geben.
Aber gerade in Afghanistan haben sich die Medien (mit der Regierung) in eine Mithaftung begeben, der sie sich kaum stellen werden und die sie daran hindert, endlich einen klaren Blick für die deutsche Verstrickung in diesen sinnlosen Krieg am Hindukusch zu bekommen. ...

Übrigens: Wenn der Angriff von Kundus kein Kriegsverbrechen war, wofür gibt es dann den Begriff?

Wenn schon Schweinegrippe, dann Propaganda

Mal wieder ein wenig Schweinegrippe in der OZ:
... In Deutschland starben bislang mehr als 60 Menschen im Zusammenhang mit der Schweinegrippe.
Und was bedeutet das? Nichts, denn in wie vielen Fällen konnte als Todesursache die Schweinegrippe bewiesen werden und wie wird das gemacht?
In diesen Fall musste die Todesursache bereits revidiert werden:

Obduktionsergebnis: Schülerin nicht an Schweinegrippe gestorben

Der Tod einer Schülerin aus Kassel Anfang November ist nicht auf des Schweinegrippe-Virus zurückzuführen. Die Obduktion der 15-Jährigen habe ergeben, dass das Mädchen an den Folgen einer Herzmuskelentzündung starb ...

Und die OZ durchschaut das Statistikchaos? Niemals!

Erstmalig berichtete die OZ dies am Artikelende:
Dem Bundesinstitut für Impfstoffe sind zudem bislang 658 Verdachtsfälle von Reaktionen nach einer Schweinegrippe-Impfung gemeldet worden, darunter 15 Todesfälle. Bei keinem der gestorbenen Patienten sei jedoch ein Zusammenhang zwischen Impfung und Tod festgestellt worden, sagte eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen. ...
Und was bedeutet das?
Es bedeutet zuerst einmal, dass dem Institut sechs Todesfälle im Zusammenhang mit der Impfung immer noch nicht bekannt sind und deshalb auch nicht dem Kampfblatt für Impfpropaganda.
Ansonsten bedeutet es nichts, da der Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden kann. Wenn ein Zusammenhang nicht festgestellt wurde, heißt das nicht, dass es keinen gibt.

Was die OZ Ihnen verkauft, ist nachgeplapperte Impfpropaganda:
Stirbt jemand, der Schweinegrippe hatte, stirbt er daran.
Stirbt jemand nach der Impfung, war eine Vorerkrankung oder statistischer Zufall die Todesursache.

OZ: Krise ist vorüber

Ich dachte, ich lese nicht richtig:
Dienstleister mit leichten Blessuren
Die Dienstleister in Norddeutschland haben die Wirtschaftskrise mit leichten Blessuren überstanden. ...
Das heißt, die Weltwirtschaftskrise ist vorbei - auch solch eine Wahrheit nach Art der OZ.
Dazu nur drei Lesehinweise, die ganz D betreffen:

Finanz- und Wirtschaftskrise
Bildet Puffer, ihr Banker!

"Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist noch keineswegs überwunden." Mit dieser klaren Botschaft wartete am Mittwoch der Mann auf, der es wissen muss: Hans-Helmut Kotz. Der Bundesbankvorstand ist nämlich verantwortlich für den Bereich Finanzstabilität und hat gerade den frischen Jahresbericht vorgelegt. (Die Spezialisten der OZ wissen es natürlich besser.)

Aus dem geht hervor, dass den 17 größten deutschen Banken in diesem und nächsten Jahr im schlimmsten Fall noch bis zu 90 Milliarden Euro Abschreibungen drohen. Zum Vergleich: Diese Banken haben zusammen ein Eigenkapital in Höhe von rund 220 Milliarden Euro. Und Eigenkapital ist nun mal der Puffer im System, um Verluste abzufedern, bevor der Steuerzahler Banken retten muss. ...

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sank der Umsatz in ausgewählten Dienstleistungsbereichen im Vergleich zum Vorjahresquartal nominal um insgesamt 9,8% (Abb. 14836). ...

 Pleitewelle rollt durch Deutschland

Über Wahres nach der OZ-Wahrheit

Die OZ übernahm einen Agenturbericht über die neue Sicht des Herrn Uffz. Zu auf das Töten von Zivilisten in Afghanistan:
Die späte Einsicht des Verteidigungsministers
Was für die OZ (die schon vor fast einer Woche die Wahrheit zu Tage gefördert sah, also halluzinierte) nicht von Interesse war und deshalb - oder warum auch immer - nicht herausgestellt wurde, ist der Umstand, dass der Kriegsminister indirekt mitgeteilt hat, dass er es auch zukünftig nicht so schlimm findet, Zivilisten umbringen zu lassen. Ich möchte kein Afghane sein! Überhaupt nicht beschrieben, geschweige denn kritisch, wurde der Afghanistan-Krieg als solcher.

Damit hat Herr Zu mit Hilfe der OZ und vieler anderer 08/15-Medien erreicht, was er wollte: vom Kern der Angelegenheit ablenken und sich als den großen Aufklärer darstellen. Das ist beispielhafte Regierungsergebenheit der OZ oder im OZ-Jargon: hochwertige Information.

Natürlich haben einige Journalisten das hinterhältige Spiel durchschaut bzw. durchschauen wollen
(Für jemanden, für den die Wahrheit schon tagelang im Lichte ist, gibt es natürlich nichts zu durchschauen.):

... Der Westfälische Anzeiger schränkte allerdings ein, dass der Minister auch eine ganz gehörige Portion Glück gehabt habe. Guttenberg sei erst kurz im Amt, seinem Amtsvorgänger Franz-Josef Jung, "der auch schon nicht genau genug hinsah", hätte man diesen Erklärung nicht durchgehen lassen. "Die gestrige Neubewertung des umstrittenen Luftangriffs auf zwei Tanklastzüge in Afghanistan ist nämlich in Wahrheit das Eingeständnis eines schweren Fehlers", schreibt die Zeitung aus Hamm.

Geradezu vernichtend fällt das Urteil des Bonner General-Anzeigers aus. Das entschuldigende Wort des Verteidigungsministers komme reichlich spät und sei "das umfassende Eingeständnis von menschlichem Versagen, oberflächlicher Lageeinschätzung, falschen Konsequenzen auf der militärischen Seite". Das allein sei schon schlimm genug. Doch "mindestens genauso bedrückend ist die politische Dimension des Skandals: Bundestag und die Bevölkerung sind systematisch über die Realitäten des Raketenbeschuss getäuscht, ja teilweise belogen worden". ...

Was wusste Guttenberg wirklich? Hat er die Berichte vor seiner ersten Bewertung auch gründlich gelesen? Oder hat Guttenberg "zum Schutz mancher Soldaten manches überlesen, quasi als Einstiegsgeschenk des neuen Ministers an die Truppe"? Dies fragt sich die Süddeutsche Zeitung, die ihre Skepsis ob der Glaubwürdigkeit des Ministers mit der Berliner Zeitung teilt. "Für Lob ist kein Anlass", schreibt diese. Ganz im Gegenteil: Guttenberg habe sich letzten Endes nicht anders als sein Amtsvorgänger Franz Josef Jung verhalten, in dem er es in Kauf genommen habe, "dass die Wahrheit vertuscht wurde". ...

Auch die tageszeitung (taz) stellt Guttenbergs Auftritt im Parlament in einen größeren Zusammenhang. Endlich müsse über "Grundsätzliches" geredet werden, nämlich über den Kriegeinsatz der Bundeswehr am Hindukusch. "Hat der Luftschlag dem Kriegsziel gedient, der Stabilisierung von Afghanistan?", fragt die Kommentatorin. Darüber müsse dringend diskutiert werden - und eben nicht nur "über jeweilig aktuelle Fragen". ...

Wer viel Zeit übrig hat, kann hier massenhaft Hintergrund zum Afghanistan-Krieg finden:

Deutschlands "Kampfeinsatz"
Jenseits des Rechts
Von
Dieter Deiseroth, 59, ist Richter am Bundesverwaltungsgericht. Er ist Experte für Verfassungs-, Verwaltungs- und Völkerrecht.
... Der Einsatz der Bundeswehr "zur Verteidigung" ist mithin in diesen Grenzen ausschließlich als Abwehr gegen einen "bewaffneten Angriff" erlaubt, jedoch nicht etwa zur Verfolgung, Durchsetzung und Sicherung ökonomischer, politischer oder geostrategischer Interessen.

Die Ziele, zum Beispiel Behinderungen beim Zugang zu Bodenschätzen, zu Ölpipelines oder zu Absatzmärkten zu beseitigen oder gar politische und wirtschaftliche Einflusszonen zu schaffen und zu sichern, berechtigen ebenso wenig zu militärischer Gewaltanwendung in Gestalt individueller oder kollektiver Selbstverteidigung wie die Wahrnehmung der wichtigen Aufgabe der Bekämpfung von individueller, organisierter oder terroristischer Kriminalität.

Auch wenn es sehr mühsam und schwierig ist, terroristische, also kriminelle Täter zu ermitteln, vor Gericht zu stellen und den Nachweis ihrer individuellen Schuld zu führen, rechtfertigt dies nicht, diese Schwierigkeiten dadurch zu umgehen, dass man stattdessen auf unilaterale militärische Schläge, auf die "gezielte Tötung" ("targeted killing") von Tatverdächtigungen oder gar auf militärische Vergeltungs- und Bestrafungsaktionen gegen Länder setzt, in denen sich Tatverdächtige aufhalten oder aus denen sie stammen. ...

Und noch dies:

Interview zu Luftangriff in Kundus
"Das war ein Kriegsverbrechen"

Linken-Politiker und Richter Wolfgang Neskovic über die rechtlichen Folgen des Luftschlags von Kundus: Nach dem Völkerrecht könnte der verantwortliche Offizier für ein Kriegsverbrechen angeklagt werden. ...

Ein Schritt zum mündigen Verbraucher

Klar, Sie können darauf warten, dass die OZ kostenlose Verbraucherinformationen des Landesumweltministeriums kopiert und an Sie verkauft, wie vor ein paar Tagen geschehen:
Schoko-Weihnachtsmann und Glühwein im Test
Sie können aber auch selbst auf der Webseite nachschauen, welche Informationen Ihnen das Ministerium kostenlos bietet. Sie können die Verbraucherbriefe sogar abonnieren und sich per E-Mail zusenden lassen. Das hat den Vorteil, dass Sie nichts verpassen, und Sie sind nicht darauf angewiesen, dass die OZ für Sie entscheidet, was für Sie wichtig ist und was nicht.

3.12.09

Nur ein paar Zahlen

Die Zeitschrift brandeins beeindruckt mich monatlich mit der "Welt in Zahlen". Hier ein Beispiel:

Die Welt in Zahlen

Tag, an dem Sir Roy Anderson, Berater der britischen Regierung, die Schweinegrippe öffentlich als Pandemie bezeichnete 1.5.2009

Jahresgehalt, das Anderson von GlaxoSmithKline, Hersteller eines Impfstoffs gegen Schweinegrippe, bekommt, in Euro 125000

Steigerung des Aktienkurses von GlaxoSmithKline nach Ausrufung der Pandemie in Prozent 10

Passend dazu diese Zahlen:
Laut der heutigen Aktualisierung der Meldedatenbank beim PEI wurden bisher 15 Todesfälle im Zusammenhang mit der Pandemie-Impfung erfasst. Zusammen mit 6 weiteren Todesfällen, die der impf-report Redaktion bekannt sind, sind es nun 21 Todesfälle.

In keinem einzigen Fall konnte das PEI einen Zusammenhang bisher ausschließen. ...

Schon lange fällig: Propaganda für Dong-Projekt

Greifswalder und Usedom-Zeitung berichten:
Erfolgsunternehmer auf der Insel
Sie werden am Sonnabend zu Vorpommerns Unternehmern des Jahres gekürt (Achtung, Stanze): Ingo Warncke und Joachim Ferdyn gründeten ihren RIS Industrie- und Kraftwerksservice als 5-Mann-Firma.  ...
Es werden weitere Unternehmer genannt, die Erfolg gehabt haben sollen, meinetwegen. meinetwegen sollen damit auch die Leser gelangweilt weden.
Doch was soll diese Passage am Ende des Artikel sonst sein als unverhohlene Propaganda, die mit der Auswahl erfolgreicher Unternehmer nichts zu tun hat:
Trotz aller gebotener Höflichkeit schreibt Jürgens dem besonderen Besucher schon vor der Begrüßung eine Forderung ins Stammbuch (Achtung, Stanze!): Der Landesvater (Achtung, Stanze!) müsse sich noch mehr um die wirtschafliche Entwicklung in Vorpommern kümmern: "In Lubmin entsteht einer der wichtigsten Energiestandorte Deutschlands. Dafür würde ich mir manchmal noch mehr Aufmerksamkeit von Herrn Sellering wünschen", sagt der Unternehmerverbandspräsident. Ein Bekenntnis zum Kohlekraftwerk will er dem Ministerpräsidenten nicht abverlangen: "Aber wir stehen als Unternehmer weiter voll dahinter und sind froh, dass Dong durchhält und auch alle weiteren Umweltfragen klären will", betont Jürgens. ...
Sie wissen schon: CDU-nah und unternehmerfreundlich statt hochwertig, ausgewogen ...

Übers Anreichern

Doch, es gibt fast immer die Möglichkeit, Agenturmaterial anzureichern, um außer der Kopier- noch eine journalistische Leistung vorzuweisen und damit einen Grund zu haben, ein Redakteursgehalt zu beanspruchen. (Es könnte sonst auf Dauer dumm ausgehen.) In der OZ lassen sich die Redakteure diese Möglichkeit zumeist entgehen.

Hier wurde wie üblich eine Gelegenheit ausgelassen:
HSH-Vorstände dürfen wieder Millionen verdienen
Bei der angeschlagenen HSH Nordbank können Vorstandsmitglieder wieder über eine Million Euro verdienen. Die Gehaltsgrenze von 500 000 Euro für Vorstandsmitglieder wird gekippt ...
Gehaltsgrenze gekippt? Wie geht das?

Hier eine Ergänzung der Meldung, seit dem 15. Oktober kostenlos nachzulesen:

Der Bund der Steuerzahler prangert auch die Verschwendung öffentlicher Mittel bei der angeschlagenen HSH Nordbank an. Das krisengeschüttelte Institut taucht in dem Bericht gleich drei Mal auf – mit der eigenen, „gut ausgestatteten Motoryacht“ für geschäftliche Veranstaltungen, der umstrittenen „Bleibeprämie“ unter anderem für Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher und „sinnlosem Geplänkel“ um die parlamentarischen Untersuchungsausschüsse in Hamburg und Schleswig-Holstein. Der Präsident des Steuerzahlerbundes Schleswig-Holstein, Hartmut Borchert, räumte allerdings ein: „Eine Alternative zur öffentlich eingeleiteten Rettung gibt es nicht.“

Hier noch ein Kurzkommentar zur OZ-Meldung:

Wenn man die Lage der Bank betrachtet, hat man auch vorher kein vernünftiges Personal gefunden. Doch die Höhe des Gehalts an sich ist nicht so sehr das Entscheidende, sondern welches Verhalten das Anreizsystem fördert.

Her mit dem Schwarzbuch für OZ-Abonnenten!

Es muss in der Usedom-Redaktion eine schwerwiegende Materialnot herrschen. Sonst wäre es nicht zu verstehen, dass mit redaktionellen Beiträgen tagelang spaltenweise Reklame für Hotels gemacht wird.
Damit nicht genug, heute werden die Leser gegen Geld mit der Scheinnachricht gelangweilt, dass nun viel Hote und Gaststättenpersonal Urlaub macht.
Auf Usedom ist gerade Haupt-Urlaubszeit
Das ist nicht nur allgemein bekannt, weil in jedem Jahr so. Die Autorin schrieb darüber 377 Wörter Langeweile. Gäbe es ein Schwarzbuch der OZ-Abonnenten, gehörte dieser XXL-Überlangweiler hinein.

Unterschied zwischen Propaganda und Journalismus

Und noch einmal Propaganda, für die Sie Geld ausgeben:
Spektakuläre Fassade
Mit ihrer atemberaubenden Fassade soll die Elbphilharmonie das neue Wahrzeichen im Hamburger Hafen werden. ...
Es wäre auch anders gegangen:

Mein Vorschlag: Spektakuläre Steuerverschwendung, denn kostenlos können Sie erfahren:

Die Elbphilharmonie als Paradebeispiel für Steuerverschwendung steche bislang in finanzieller Hinsicht durch Missmanagement, Dilettantismus und überforderte Planer auf Behördenseite hervor, hieß es. So seien die Kosten für die Realisierung des Konzerthauses im Hafen von ursprünglich 77 Millionen Euro auf zurzeit 323,3 Millionen Euro zulasten der Steuerzahler gestiegen. Zudem seien weitere Kostensteigerungen nicht auszuschließen.

Hier finden Sie Informationen statt Reklame

Stellen Sie sich vor, jemand in einer OZ-Redaktion oder in der ausgelagerten Mantelredaktion wäre auf die Idee gekommen, dies herauszufinden und kostenlos den Lesern anzubieten:


... Die Hotelbetreiber wollen nur einen geringen Teil der geplanten Mehrwertsteuersenkung an ihre Gäste weitergeben. Das räumt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf einer neuen Internetseite ein ...

Machen die Hoteliers ihre Ankündigung wahr, werden Geschäftsreisende und Urlauber den Steuernachlass kaum zu spüren bekommen. Ein Beispiel: Muss ein Gast für eine Übernachtung inklusive Mehrwertsteuer derzeit 100 Euro zahlen, würden künftig 98 Euro fällig. Die für die Betriebe verbleibene Entlastung von rund acht Euro könnte der Hotelbesitzer einstreichen ...

Und jetzt die eigentliche Geschichte, die niemand von der OZ, im Land der Hotels und Touristikunternehmen, herausfand (Stattdessen wird unverhohlen Reklame für Hotels gemacht.):

Ob das Vorhaben der Koalition die Zahl der dienstlichen Übernachtungen - wie vom Dehoga erhofft - tatsächlich wieder in die Höhe treibt, ist fraglich, denn für Geschäftsreisende und ihre Firmen bringt die Reform auch Nachteile mit sich. Geben die Hotels die Steuersenkung nicht weiter, steigen die Ausgaben für solche Übernachtungen sogar an.

Das hat der Berliner Betriebswirtschafts-Professor Jochen Hundsdoerfer berechnet: Kostet derzeit eine Übernachtung mit 19 Prozent Mehrwertsteuer 119 Euro, so konnte sich das Unternehmen des Geschäftsreisenden 19 Euro vom Finanzamt zurückholen. Seine Nettobelastung betrug also 100 Euro. Sinkt nun die Mehrwertsteuer, die Übernachtung kostet aber weiterhin 119 Euro, bekommt er nur noch 7,79 Euro erstattet. ...

Heißt also, die Steuerentlastung bringt kaum zusätzliche Übernachtungen. So will die Regierung mit Zustimmung ihres Stimmviehs des Parlamentes die Wirtschaft beleben.
Lassen Sie sich weiterhin Touristik-Propaganda auftischen?

Über den Wortsinn

Als ich diesen Satz gelesen hatte, ersparte ich mir den Rest des Textes:
Obama setzt in Afghanistan aufs Militär
Seine Miene sprach Bände, die Gesichtszüge waren angespannt:
Mir ist egal, ob eine Miene Bände sprechen kann; ich bezweifle es sogar. Es ist mir egal, ob der Mann angespannte Gesichtszüge hatte - du meine Güte, Politiker sind vor allem Schauspieler. Was also soll das Gewese um Obamas Schauspielkunst?
Vor den Kadetten der ehrwürdigen Militärakademie West Point im Staat New York hat US-Präsident Barack Obama in der Nacht zu gestern seine neue Afghanistan-Strategie verkündet. ...
Genau das Wort ehrwürdig war es, das mir das Weiterlesen vergällte.
Wie kann eine Akademie würdig sein, geehrt zu werden,  
(ehrwürdig:  erhaben, [verehrungs]würdig; (geh.): altehrwürdig, erlaucht; (veraltend): honorig.
© Duden - Das Synonymwörterbuch, 3. Aufl. Mannheim 2004 [CD-ROM])
wenn an ihr Leute ausgebildet werden, andere Leute dazu zu bringen zu töten und zu zerstören und dabei möglichst am Leben zu bleiben?

"Soli": Widersprüche wahrscheinlich nicht nötig

Gute Nachricht, irgendwann vielleicht auch gegen Geld in der OZ zu lesen:


 
Der umstrittene Solidaritätszuschlag soll nach den Zweifeln eines Finanzgerichts an seiner Verfassungsmäßigkeit ab sofort nur noch unter Vorbehalt erhoben werden.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) setzt sich dafür ein, dass der Soli rückwirkend für den Veranlagungszeitraum von 2005 an nur vorläufig festgesetzt wird. Das teilte das Bundesfinanzministerium am Mittwoch in Berlin mit.

Ein solcher Vorläufigkeitsvermerk für alle noch offenen und künftigen Steuerfestsetzungen erspart nicht nur den Finanzämtern eine Flut von Einsprüchen. Steuerzahler müssen zudem nichts mehr tun, um Geld zurückzuerhalten, sollte das Bundesverfassungsgericht den Soli am Ende wirklich kippen. Dies gilt aber weiter als fraglich. ...

Die Androhung von Millionen Widersprüchen hat die Regierung in Bewegung gesetzt. Aber Vorsicht! Noch ist die Sache nicht entschieden.

Statt Klartext Nachplapperei

Nachpgeplappert:
Banken wollen wieder mehr Kredite geben
Deutschlands Banken wollen in der Krise mit Hilfe mehrerer Sonderprogramme mehr Kredite an die Wirtschaft vergeben. Die Initiative geht von Commerzbank, Deutscher Bank und den Sparkassen aus. ...
Eine Beteiligung des Staates sei aber ausdrücklich nicht vorgesehen. ...
Das ist missverständlich, denn indirekt ist eine Beteiligung des Staates, also aller Bürger, sehr wohl vorgesehen:
Die Bundesregierung prüft indes noch weitere Möglichkeiten, um eine Kreditklemme zu verhindern. Es ist beispielsweise im Gespräch, dass der Bund den Banken über die Staatsbank KfW und den Deutschlandfonds Kreditrisiken bis zu 10 Milliarden Euro abnimmt. ... Hier rechnet die Regierung mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von zehn Prozent, woraus sich eine Garantiesumme von einer Milliarde Euro ergibt. Als Gegenleistung sollen die Banken mehr Geld an Firmen verleihen.
Kurz geschrieben:
Es bleibt dabei: Die Regierung tut das Dümmste. Dafür, dass die Banken den Unternehmen Geld leihen, sollen Sie als Steuerzahler oder -verbraucher, als Privatpersonen bürgen, wenn die Unternehmen die Kredite an die Geldverleiher nicht zurückzahlen können, mindestens mit einer Milliarde Euro. Das wäre Klartext gewesen statt regierungsergebener Nachplapperei.

Übrigens ist das ein wunderbares Geschäftsmodell:
Vom Staat Geld zu einem Prozent Zinsen kaufen, mit fünf Prozent Zinsen als Kredite weitergeben und für die Risiken die Allgemeinheit einstehen lassen. Das ist also das Soziale an der Marktwirtschaft.

Hier noch ein Stück aus einem Kommentar:

Was also tun? Die Bundesregierung sollte jetzt den Streit über die Steuerreform vertagen und das von der Großen Koalition versemmelte Bad-Bank-Gesetz noch einmal überarbeiten. Sie sollte den Bankensektor innerhalb eines Jahres rekapitalisieren, notfalls per Verstaatlichung. Auf internationaler Ebene müssen wir die Währungspolitik asiatischer Länder, insbesondere von China, thematisieren - und nicht nur höflich beim Abendessen, so es wie die Troika der Europäischen Union am letzten Wochenende tat und abblitzte.

OZ: spekulativ und inkonsequent

Die OZ fragt heute auf der Titelseite ihre Leser:
Hat die Wettmafia am 13. April 2007 sechs Profis des FC Hansa Rostock vergiftet und auf diese Weise den Ausgang des Zweitliga-Spiels bei Eintracht Braunschweig (1:1) beeinflusst? ...
Wie die meisten OZ-Leser weiß auch nicht, ob Spieler vergiftet wurden oder nicht. Es ist Sache der OZ, Fakten zu berichten, denn dafür bezahlen die Leser. Spekulationen verbreiten kann jeder Dummkopf. Aufgabe einer Redaktion ist es auch nicht, Seiten irgendwie zu füllen. Ihre Aufgabe ist es, Nachrichten zu verbreiten, und nur dafür sollten Leser bezahlen. Eine Spekulation ist keine Nachricht und damit wertlos.
Im Übrigen erinnere ich daran:
Zumindest müsste doch unter den Berichten und Tabellen stehen: Wir wissen nicht, ob es hier mit rechten Dingen zuging, verkaufen es Ihnen aber dennoch, auch wenn es wertlos sein sollte. Folgerichtig wäre aber doch, wegen möglicher Mogeleien auf Tabellen und Spielberichte zu verzichten.

"Wie ein 20-Jähriger einen Verlag demontiert"

Dass sogar das Argument, die Lokalblätter würden auch wegen der lokalen Fußballergebnisse gekauft, ein Scheinargument werden könnte, die Zeitung gegen Geld anzubieten, hat hier ein 20-Jähriger in Bayern gezeigt. Fußballfreunde brauchen seitdem keine Tageszeitung mehr, um alle Spielberichte und Tabellen und vieles mehr zu lesen.

Hier wird die Fußballseite besprochen:

Wie ein 20-Jähriger einen Verlag demontiert

Könnte es sein, dass sich ein Fußballbegeisterter hier, wo die OZ zu Hause zu sein vorgibt, entschließt, es dem Bayern nachzutun, verlöre die OZ noch mehr an Wert.
Es gäbe natürlich auch eine andere Variante: Die OZ schaut sich für ihre schrottige Webseite ab, was der junge Mann entwickelte. Naja, war nur so ein Gedanke.

2.12.09

Vom Jugendwort, das keines ist

Irgendwer in der OZ sah sich bemüßigt, zum eventuellen Jugendwort des Jahres "Hartzen" etwas abzusondern. Geschenkt - müssten die Leser das nicht auch noch kaufen.
Wer sich für Hintergrund dazu interessiert, erhält ihn hier von einem Fachmann, kostenlos:
... Die sprachliche Kreation des Verbs „hartzen“ aus „Hartz IV“ impliziert durch die negative Grundbesetzung des ursprünglichen Ausdrucks per se Kritik“, so die Jury. [Pressemeldung]
Ja, das mag sein. Alternativ besteht natürlich auch die nicht von der Hand zu weisende Möglichkeit, dass die Jury hier ihre Vorurteile in weitgehend erfundene Wörter hineinphantasiert. Wie Lars Fischer zum Wort hartzen lakonisch anmerkt: „Bei uns hieß das was anderes“ (wobei ich vorsorglich darauf hinweise, dass ich nie inhaliert habe).

"Also tut diese Regierung kreuzbrav das Dümmste"

Weil Sie es so aus der OZ nicht einmal gegen Geld erfahren (Weihnachtsmärkte sind wichtig, Reklame für Hotels und den Einzelhandel erst recht), hier eine Hinweis:

So funktioniert Kapitalismus
Schon wieder frisches Geld für die Banken
... Seit mehr als einem Jahr rechtfertigen die deutschen Regierungen ihre wahrlich umfangreichen Hilfsmaßnahmen für die Banken mit dem Argument, es solle eine Kreditklemme vermieden werden. Die gab es zunächst auch nicht ansatzweise. Die deutsche Wirtschaft ist nicht deshalb um einige Prozente abgesackt, weil Unternehmern oder Verbrauchern dringend benötigter Kredit verweigert worden wäre. Es fehlte vielmehr ziemlich plötzlich ein beachtlicher Teil der Exportnachfrage. Das Wachstum der Kreditvergabe ging dagegen gemächlich zurück, bis es etwa im Herbst dieses Jahres ebenso gemächlich negativ wurde. Kurz gesagt, die Kreditvergabe folgte der schlechten Konjunktur. ...

Mir scheint, die Banker haben sich wieder einmal Frau Merkel vor die Brust genommen. Sie haben ihr vermutlich gesagt, wenn sie keine zusätzliche Unterstützung vom Staat erhalten, würden sie reihenweise umfallen. Und wer könnte wirklich behaupten, das sei unrealistisch?

Also tut diese Regierung kreuzbrav das Dümmste, was sie in der jetzigen Situation tun kann. Sie wirft den Banken Geld hinterher, hält den überdimensionierten Finanzsektor überdimensioniert, ohne dass das der Realwirtschaft auch nur ein bisschen Nutzen bringt. Sie schüttet in das Bankenfass eimerweise Geld hinein, weiß, dass dieses Fass einen löchrigen Boden hat, und hofft, dass aus dem Zapfhahn, der noch aus alten Zeiten steckt, aber aus guten Gründen geschlossen ist, irgendwann einmal ein bisschen Geld herauströpfelt.

Langweiler des Tages

Nachdem die Greifswalder Zeitung vor etwa einem Jahr nichts weiter von einer zweiwöchigen Anhörung zu berichten hatte, als wer wo saß, wurde dies Aufmacher auf der lokalen Titelseite:
Weihnachtsmarkt: Der Test zum Fest
Ich habs mir angetan, das zu lesen, rund 3000 Zeichen. Nun weiß ich von einigen Produkten, was wie viel kostet. Gibt es auf dem Markt keine Preisschilder? Sollte mich wundern.
Ich gebe zu, ich habe nur einen Sinn darin gesehen, dass das alles in der Zeitung stehen musste - Materialmangel in der Redaktion.

OZ als PR-Abteilung der Krämervereinigung

Ein OZ-Wirtschaftsweiser kopierte:
Einzelhandel gut gelaunt: Vor dem Fest macht die Krise Pause
Das ist einfache, nachgeplapperte Leserverblödung. Die Weltwirtschaftskrise ist da, bleibt noch ein Weile und wir können nur hoffen (Mangel an Wissen), dass es nicht noch schlimmer wird.
Die jämmerliche Schlagzeile ist zudem die Bestätigung dafür, dass Sie bereits kostenlos alle Dezemberzeitungen gelesen haben, denn Sie wissen schon:

Zehntens: Der Einzelhandel äußerte sich zufrieden.
Schlimm ist ganz besonders, dass die OZ wie die PR-Abteilung der Krämervereinigung handelt und immer wieder versteckte Kaufreklame macht. Ist es sinnvoll, dafür Geld auszugeben?

Erkenntniszuwachs

Wie die OZ Hochwertiges definiert ist einfach: Was in der OZ steht, ist hochwertig.
Woran erkenne ich journalistisch Hochwertiges? Unter anderem daran, dass Fragen nicht gestellt, sondern beantwortet werden. Wie ist dann dieser Kommentar einzuordnen (jetzt mal nicht von der OZ)?
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Deponie-Chef
Geld stinkt nicht
... Zu viele Fragen rund um den Ihlenberg sind offen. Warum duldete das Land jahrelang Aktienspekulationen? Warum ging es Dutzenden von Hinweisen über mögliche persönliche Verfehlungen des Geschäftsführers nicht nach? Warum bedeckte es zweifelhafte Müllgeschäfte mit dem Mantel des Schweigens? Der Verdacht von erzwungenen Falschaussagen und gefälschten Dokumenten steht im Raum. ...
Wozu ist ein Zeitung nützlich (außer für den Verlag und die Mitarbeiter, inkl. der Seitenfüller), wenn fast täglich Fragen gestellt aber nicht beantwortet werden, wenn die Redakteure ihre Ahnungslosigkeit nicht nur zur Schau stellen, sondern sich dafür auch noch bezahlen lassen und der Verlag die Produkte ihrer Ahnungslosigkeit auch noch als etwas Hochwertiges verkauft?
Damit die Frage nicht auch noch offen bleibt: Als Rätselzeitung tragbar, als Tageszeitung nutz- und damit wertlos.

Nachtrag (Danke für den Hinweis), 16.45 Uhr:

Das Finanzministerium hat eine Frage bereits beantwortet: Die Spekulationen erbrachten einen (mickrigen aber immerhin) Gewinn von 24,4 Millionen Euro seit 1997. Die Fonds wurden wegen zu geringen Gewinns aufgelöst und und in Landesanleihen umgewandelt.
Falls Sie für die Fragen der OZ bezahlt haben sollten - es kostet Sie keinen Cent, die Antwort hier nachzulesen.

Rätsel ungelöst: Je weniger Arbeitslose, desto weniger Beschäftigte

Wie nicht anders zu erwarten, vervielfältigte die OZ die Arbeitslosenzahlen, um sie an Sie zu verkaufen, ohne darauf hinzuweisen, dass die Zahlen nicht die wahren Verhältnisse widerspiegeln. Könnte ja der eine andere andere Leser auf die Idee kommen, Aufgabe der OZ sollte es sein, die wahren Verhältnisse widerzuspiegeln und die kopierten Zahlen wären wertlos.
Weniger Gäste - mehr Arbeitslose
Tja, wer hätte das gedacht?
Nach zwei Monaten mit deutlich rückläufigen Arbeitslosenzahlen in Mecklenburg-Vorpommern sind mit dem Ende der Tourismussaison im November wieder mehr Menschen auf Jobsuche gegangen.
Ich kann mich nicht erinnern, in der OZ gelesen zu haben, wo denn die Nicht-Mehr-Arbeitslosen der vcergangenen Monate geblieben sind, von denen sie schon seit Jahren schwadroniert. Zehn Minuten Landesstatistik lesen ließe nämlich erkennen, dass viele Einst-Arbeitslose keine Beschäftigung erhielten; hätten sie doch, müsste es sich in den Beschäftigtenzahlen des Landes niederschlagen, tut es aber nicht.
Die Zahl der Beschäftigten hat zwar seit 2005 zugenommen, hatte jedoch im Jahr 2008 noch nicht einmal die Beschäftigtenzahl des Jahres 2001 erreicht - trotz Abwanderung, Frühverrentung und höherer Sterbe- als Geburtenrate.

Seit Anfang 2007 verringert sich sogar der Beschäftigtenzuwachs, verglichen mit der Zahl der Beschäftigten im jeweiligen Vorquartal:


Damit wir uns nicht falsch verstehen: Als Beschäftigter gilt nicht nur, wer sv-pflichtig beschäftigt ist, sondern jeder, der unabhängig von der Dauer der Tätigkeit arbeitet und dafür bezahlt wird, unabhängig davon, wie viel er verdient, also auch alle Minijober und Ein-Euro-Sklaven.
Das heißt also, je weniger Arbeitslose, desto weniger Beschäftigte. Wer kann mir das erklären? Die OZ ganz bestimmt nicht; ist ihr ja noch nicht einmal aufgefallen, hier, wo sie zu Hause zu sein vorgibt. Sie plappert lieber wertlos nach:
Am Monatsende waren 107 400 Erwerbslose registriert, 4700 mehr als im Oktober.

Auch in Bayern, Brandenburg und Schleswig-Holstein gibt es mehr Arbeitslose, in zwölf Ländern hingegen sank die Zahl. Bundesweit ging die Zahl der Erwerbslosen gegenüber dem Oktober um 13 000 auf 3,215 Millionen zurück. ...
Eine Deutschlandstatistik lesen Sie lieber hier oder hier die Langfassung, wie in jedem Monat kostenlos.

"Unglaubliches" von der OZ ignoriert

Wie Tageszeitungen an Wert verlieren, wenn sie denn noch einen haben, zeigt die Webseite Wikileaks. Dort ist seit dem 26. November nachzulesen:
WikiLeaks veröffentlicht wesentliche Bestandteile der Verträge zwischen dem Betreiberkonsortium der Toll Collect GmbH, dem Bundesamt für Güterverkehr und weiteren involvierten Parteien. ...
Den Verträgen sind detailierte Anhänge beigefügt, die einen präzisen Einblick in die Grundlage des deutschen LKW Mautsystems, dessen Konzeption, Entwicklungs- und Instandhaltungskosten und viele weitere Aspekte zulassen.
Die Dokumente wurden mehrfach über das Informationsfreiheitsgesetz eingefordert -- allerdings vergeblich. Die Verträge sind bis heute offiziell auch den meisten deutschen Bundestagsmitgliedern vorenthalten.
In Kooperation mit dem Stern[1] und Heise[2] sind erste Analysen der Verträge entstanden.
Mit der Veröffentlichung der ersten knapp 10.000 Seiten macht WikiLeaks einen ersten grossen Teil der Verträge transparent. Die weiteren geschätzten verbleibenden 7.000 Seiten bleiben weiter verschollen. Noch. ...

Was ich meine mit dem zunehmenden Wertverfall von Zeitungen wie der OZ, haben Sie schon jetzt verstanden. Oder kam die OZ bisher in dem Text von Wikileaks vor?

Zusätzlich empfehle ich dies zu lesen, da die OZ bisher kein Wort über den Inhalt der Verträge veröffentlichte (es gab wohl bisher keine Pressemitteilung, keine Agenturmeldung, von der kopiert werden konnte), Sie aber erkennen können, wie die rot-grüne Regierung mit Geld umging und wie Informationen ohne Redakteure geschaffen und kostenlos angeboten werden:

... Erste Einblicke in das schier unüberschaubare Konvolut aus Vertragsseiten und Anhängen ergaben bereits unglaubliches: Die Bundesregierung garantierte den Betreibern des Mautkonsortiums, das zu je 45 Prozent von Daimler und der Deutschen Telekom gehalten wird, Profite in Milliardenhöhe – es ist sogar von einer zugesicherten Umsatzrendite von 19 Prozent die Rede. Informationen, die vor allem die Wettbewerbshüter in Brüssel interessieren dürften, schließlich stand Toll Collect dort schon länger als Instrument zur verdeckten Technologie-Subvention unter Verdacht. Doch dies ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs.
Inzwischen begeben sich nicht nur die Journalisten, sondern auch ganz normale Netzbürger an die Auswertung der umstrittenen Vereinbarung. Das ist Prinzip: Wikileaks setzt auf Schwarmintelligenz. Welche Redaktion kann es sich heute noch leisten, genügend qualifizierte Mitarbeiter für die Analyse eines 10.000 Seiten starken Vertrages abzustellen? ...

Und so wie die Weblogs den Journalismus auf eine breitere Basis gestellt haben, hat das „System Wikileaks“ den investigativen Journalismus revolutioniert. Wenn beide Seiten sich als echte Partner begreifen, so könnte dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein.

Für die OZ ist solch eine Zusammenarbeit undenkbar. Sie hat sie ja bereits arrogant abgelehnt. Der Wertverfall der OZ wird auch deshalb fortschreiten.

Spekulation/Langweiler/Rätsel des Tages

Die OZ gehört zu den Spezialisten im Verbreiten von Spekulationen. Heute ist eine Mutmaßung des Lokalchefs sogar kostenlos auf  OZ-online zu haben. Das ist zumindest konsequent, denn der Nachrichtenwert beträgt null:
Trennt sich Tourismusverband vom Büroleiter?
Seit 3. November ist die Geschäftsstelle des Tourismusverbandes Usedom krankheitsbedingt nicht mehr besetzt. Der Büroleiter ist für keinerlei Nachfragen erreichbar. ...
Insel Usedom Der Tourismusverband Insel Usedom (TVIU) und Sebastian Preiss gehen womöglich in Zukunft wieder getrennte Wege. ...
Verbandschefin Dr. Beate- Carola Johannsen wollte sich gestern aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht zur Sache äußern. Ihr Stellvertreter, Dietmar Gutsche, verwies lediglich auf die heute stattfindende Vorstandssitzung, bei der diese Personalie "sicher" behandelt werde. ...
Ganz ehrlich: Ich kann nicht weiterhelfen, denn ich weiß es nicht und will es auch nicht wissen. Es geht mich nicht einmal etwas an.
Wenn Sie sich jetzt fragen, warum die Redaktion nicht einfach einen Tag abwartete, hier eine Idee: andauernder Materialmangel.

Es wird weiterspekuliert:
Verbandsintern hört man indes seit Tagen, dass es zwischen dem Vorstand und dem Büroleiter keine Basis mehr für eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit gebe.
Preiss dürfte kaum eine Chance haben, auf seinen früheren Sessel im Amt zurückzukehren. Er war gestern auch für OZ nicht erreichbar.
Nun frage ich mich, wen interessiert überhaupt diese Personalie? Die Touristiker? Die erfahren es sowieso über ihren Verband. Und sonst? Kaum jemanden, der es nicht auch ohne OZ erfahren wird, wenn es spruchreif und keine Spekulation mehr ist.

1.12.09

Nicht die ganze Wahrheit

Wie sich städtische Angestellte herausreden und es von der OZ verbreitet wird, ist bekannt. Hier ein weiteres Beispiel, dass auch die Art der Recherche durch die Redaktion zeigt, nämlich keine (gedruckt wird, was reinkommt):
Erhalt des AJZ stand 1999 nicht im Kooperationsvertrag
Ulf Dembski, Senator für Jugend, Soziales, Bildung, Kultur und öffentliche Ordnung der Hansestadt, äußert sich zu "Ehemalige Heimstätte des "Café Quarks" abgerissen" (OZ vom 28./29. Oktober):

Hier wird wohl eher die Politik der Greifswalder Grünen verdeutlicht. Zum Zeitpunkt der Räumung des AJZ im Jahr 2000 gab es im Greifswalder Rathaus eine Kooperation von CDU und Grüne. In dem u.a. von Herrn Rose 1999 unterzeichneten Kooperationsvertrag findet sich nichts zum Erhalt des AJZ.
Der Abriss eines leerstehenden Gebäudes 10 Jahre später hat nichts mit der heutigen Greifswalder Jugend- und Sozialpolitik, sondern mit den damaligen Versäumnissen zu tun.
Was der vom Senator angegriffene Grüne zu entgegnen hat, steht hier, müsste aber in der OZ stehen, denn sie hätte des Senators Aussage prüfen müssen - unüblich in der Redaktion.

Wer über die Geschichte des Zentrums nachlesen möchte, kann es hier tun, nicht in der OZ.

Offene Frage

Heute machte sich der Greifswalder Lokalchef lächerlich:
Guten Tag, liebe Leser!
Haben Sie auf dem Weihnachtsmarkt auch schon eine Bratwurst gegessen? Dann eine Frage: War sie durch? Meine war es Sonnabend nicht. Von außen sah ich das nicht. ... Walter Kienast, Chef von Greifenfleisch, ging das ebenso. Er hatte sich seine Wurst aber an einem anderen Stand geholt. "Normalerweise müsste man sie zurückbringen", meinte er. ...
Wie bitte? Und warum taten sie es nicht, sondern:
Ich habe für mich geschlussfolgert, meine Weihnachtsmarkt-Bratwurst künftig genau zu besehen. Ist sie außen schwarz, verlange ich eine andere.
Ihr Reinhard Amler
Wer sich nicht traut, für eine schlechte Ware eine gute zu verlangen, wie soll der unangenehme Themen recherchieren, unerbittlich nachfragen?

Auf den Hund gekommen

Stellen Sie sich vor, sie sind Verleger der Usedom-Peene-Zeitung und die Hotels auf der Insel veranstalten sog. Wellnesstage. Würden Sie nicht auch ihre(n) Anzeigenwerber losschicken und dafür sorgen, dass eine Sonderbeilage (also bezahlte Werbung) gestaltet wird? Das brächte Werbeeinnahmen! Wahrscheinlich aber nicht, weil die Hoteliers nicht gewohnt sind, Geld für Werbung in der OZ auszugeben Sie wissen, die OZ ist Kumpel und knöpft ihnen nichts ab, sondern bringt ihre Angebote geballt als Schleichwerbung redaktionelle Beiträge ins Blatt.

Ich habe schon allerlei Anpreiserei in der OZ gelesen, aber so geballt - da blieb mir kurz die Luft weg.
Traumhotels zu tollen Preisen für Einheimische
Nach Weltrekord im Wassertreten und großem Walkingtag am Strand biegen die Usedomer Wellness-Wochen langsam auf die Zielgerade ein. Doch bevor am 12. Dezember Schluss ist, haben sich die Usedom Tourismus GmbH (UTG), zehn Usedomer Wellnesshotels und die OSTSEE-ZEITUNG noch etwas Besonderes einfallen lassen: Vom 6. bis 11. Dezember gibt es die Aktion "So nah weit weg". In dieser Zeit können Einheimische, also Menschen die im Verbreitungsgebiet der Usedom-Peene-Zeitung leben (Gebiet alter Landkreis Wolgast) zu Vorzugspreisen in zehn Luxushäusern wohnen, die auch zu den Organisatoren der Wellnesstage zählen. Heißt: Pro Übernachtung und Person müssen 40 Euro gezahlt werden (Ich müsste bescheuert sein, als Inselbewohner dort zu übernachten!), zudem können die Gäste alle Wellnessanwendungen zum halben Preis erhalten. Die OZ wird in dieser Woche täglich bis Freitag alle zehn Hotels vorstellen, damit sich Interessenten ein Bild machen können, wo sie residieren möchten. Buchungen bitte direkt über die Hotels (siehe Kontakt).
Die machen das tatsächlich mit dem Vorstellen; es füllt die Spalten, stimmt die Hoteliers freundlich, ist jedoch typisch für ein Anzeigenblatt und nicht für eine Hochwertzeitung.

Nichts wird ausgelassen:
Exzellent in Küche und Wellness
"..." zählt zu den exzellenten Hotels auf der Insel. Urlaub ist hier mit der ganzen Familie möglich: Kinder, Eltern und Großeltern inklusive - bis zu sechs Personen können in individuell zusammengestellten Appartements tolle Tage auf Usedom erleben. (Würden Sie als Inselbewohner - vorausgesetzt ihre Bleibe ist kein Karton unter einer Brücke - in ein Hotel auf der Insel ziehen, um dort Urlaub zu machen?) Die Betreiber heben besonders die Gourmetküche mit regionalen Elementen und den "fantastischen Wellnessbereich" hervor: "Kein Wunsch bleibt unerfüllt: Schwimmbad mit Sprudelbad, Sauna, Sanarium, Dampfbad, ausspannen auf der Duo-Sandliege - der Deutsche Wellnessverband vergab für das Angebot im 1200 qm großen Wellnessbereich das Prädikat: "Exzellent"; heißt es.

In der Showküche bereiten Chefkoch Karsten Borowski und seine Crew eine frische, regionale Gourmetküche zu. Gans steht im Dezember auf dem Speiseplan. Eine gut fünf Kilogramm schwere Mecklenburger Freiland Martinsgans wird gebraten mit Beilagen angeboten, vier Personen können sich dieses vorweihnachtliche Festmenu bestellen, dazu gibt`s ein Bratapfel-Eis mit Zimtpflaumen und eine Flasche Hauswein. Auch andere Varianten sind möglich.
Kontakt und Buchungen:  03 83 78 / .... , Frau Bensemann; www. ... .de
Hier beweist die Lokalredaktion, wie weit heruntergekommen sie ist, wenn sie nun schon versucht, Anzeigenblättern Konkurrenz zu machen. Dass die Leser für die massive Schleichwerbung auch noch zu zahlen haben, sei nur am Rande angemerkt.

Wie die OZ Leute zu ausgewiesenen Experten für Überflüssiges macht

Themen können abgehandelt werden, dass sich Leser fragen, was das Ganze soll, außer Spalten zu füllen. Ein Beispiel:
Uni hat hohen Stellenwert - der Titel Hansestadt nicht
Oberbürgermeister Artur König ist davon überzeugt, dass ein Leitbild nach innen wie außen wichtige Funktionen erfüllt. Nach innen, weil es Hauptlinien aufzeigt, an denen sich städtische Politik orientieren muss, nach außen, weil es dazu beiträgt, Greifswald mit all seinen Stärken zu vermarkten.
Nach innen, weil es Hauptlinien aufzeigt. Ich komme darauf zurück. Nach außen zwecks Vermarktung, womit das einzige Ziel des Quarkes definiert ist.
Greifswald könne nicht gleichzeitig Gesundheits-, Kultur -, Fahrrad- und Sportstadt sein, sondern müsse sich schon auf zwei oder drei Hauptlinien begrenzen, meint König. Aus diesem Grund finden zurzeit 30 Expertengespräche statt.
Natürlich kann Greifswald das alles sein. Nur kann und will sich das niemand merken.
Normal finde ich das nicht, 30 sog. Expertengespräche zu führen (Die müssen Zeit haben!), weil Geld zum Fenster hinausgeworfen wird, damit des Oberbürgermeisters Überzeugung bestätigt wird.
Zusätzlich wurden auf einer Leitbild-Auftaktveranstaltung am 21. Oktober in der Universität 200 Fragebögen ausgeteilt, auf denen Bürger die wichtigsten sogenannten Alleinstellungsmerkmale ihrer Stadt ankreuzen sollen. ...
Die Uni ist die Stadt? Raten Sie doch mal, was den Universitätsangestellten wichtig ist. Richtig:
Als wichtiges Alleinstellungsmerkmal sehen über 50 Prozent der Befragten die Universität an.
Das hätte ich ohne Befragung herausgefunden.
Unzufrieden äußerten sich Oberbürgermeister und Prognos-Mitarbeiter Winter gestern darüber, dass es bislang nicht gelungen ist, die breite Masse der Bevölkerung an der Leitbild-Entwicklung zu beteiligen. Auf einer am 21. Oktober veröffentlichten Mailadresse sei bislang nur eine Mitteilung eingegangen, so der Prognos-Mann.
Das wird auch so bleiben. Der ganze Quatsch geht den meisten Bürgern der Stadt meilenweit am Arm vorbei. Sie haben nämlich nichts davon; im Gegenteil, der Stadt wird Geld entzogen und für dieses sinnlose Projekt ausgegeben.

Um auf den Beginn meines Eintrages zurückzukommen: Das Leitbild erfüllt nach innen keine einzige Funktion. Es ist mit seinen Hauptlinien nach innen zu 100 Prozent überflüssig. Das kann der OB natürlich nicht zugeben, denn dann ergäben sich Fragen nach der Geldausgabe (60000 Euro). Zumindest hätte der OB gefragt werden müssen, was sich denn in der Stadt geändert habe durch das bisherige Leitbild, das kaum jemand kennt, denn:
Auch das alte Leitbild, welches Greifswald bereits vor zehn Jahren entwickelte, sei heute noch vielfach unbekannt, räumte König ein.
Warum wohl?
Gründe sehen er und Winter vor allem in der Tatsache, dass Beratungen der seit Jahren auch existierenden Arbeitsgruppen oft als "Closed shops" und nicht als öffentliche Diskussionsforen, zu denen jeder herzlich eingeladen ist, wahrgenommen werden.
Solch einen Blödsinn lässt sich der Lokalchef erzählen und lässt ihn auch noch an die Leser verkaufen.
OB und sonstwer können zu noch so vielen offenen Foren einladen. Die Masse interessiert es nicht, ob Greifswald als Fahrrad- oder Kulturstadt deklariert wird, weil es ihr nichts bringt.

Beinahe hätte ich diesen Quatsch vergessen:
Interessant dürfte nun noch sein, wie sich ausgewiesene Experten (Rektor, Unternehmenschefs, Wissenschaftler OB, Mitglieder der Bürgerschaftsfraktionen) in den Befragungen dazu äußern.
Wenn das Thema an sich kaum jemanden interessiert, warum sollte die Meinung dieser Leute wohl interessieren (und warum steht es dann in der Zeitung)? Und woher weiß der Autor, der Lokalchef, dass die Genannten ausgewiesene Experten sind? Er macht sie einfach dazu.

Alles "super aufgestellt"

Eine scheinbar gute Nachricht:
Ostseeküste genießt sehr guten Ruf
Die Ostseeküste hat sich an die Spitze der beliebtestens Reiseziele der Deutschen im Inland gesetzt. Nach einer Studie des Instituts für Management und Tourismus (IMT) der Fachhochschule Westküste in Heide/Holstein rangiert die Küstenregion von MV und Schleswig-Holstein zusammen mit Bayern auf Platz 1 der am meisten gefragten deutschen Reiseziele. Für beide Urlaubsgebiete gaben je 74 Prozent der Befragten an, große und sehr große Sympathien zu hegen. ...
Ich fand nichts, das für die Leser einen Nutzwert hätte, für die Ersteller der Studie schon, denn die wollen die Ergebnisse an Tourismusbehörden usw. verkaufen.
Nur so verstehe ich, dass die OZ dem Text ausnahmsweise und wider ihre Natur einen Link hinzufügte. Er ist nämlich für den durchschnittlichen OZ-Leser nutzlos.
Außerdem frage ich mich, was in den Gegenden los sein muss, aus denen jene kommen, auf die diese Aussage zutrifft:
Der Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes MV, Matthias Dettmann, wertete die Umfrage als einen Verdienst seiner Mitglieder. Der Hotel- und Restaurantbereich an der Küste und im Binnenland sei super aufgestellt. "Die übergroße Mehrheit unserer Gäste ist zufrieden und würde gern wieder in den Nordosten reisen."
Sie alle müssen hochgradig stauerprobt sein.
Sie alle müssen Gedränge als normal oder gar wünschenswert ansehen.
Menschenansammlungen müssen ihnen ein Bedürfnis sein und was Usedom betrifft, trübes Wasser auch.

Wertlose Zahlen, zwei Beispiele

Erstes Beispiel:
Infektionen mit Schweinegrippe nehmen zu
Die Zahl der Neuinfektionen mit Schweinegrippe ist vergangene (gemeint ist: in der vergangenen Woche) Woche in Mecklenburg-Vorpommern gestiegen. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales gestern in Rostock mitteilte, wurden etwa 1200 Neuerkrankungen erfasst, in der Vorwoche waren es mit 600 halb so viele. ...
Da die Erfassung verändert wurde, sind die Zahlen und Vergleiche mit früher ermittelten wertlos, sagen nichts über die Zahl der tatsächlich Erkrankten aus und dienen allein der Spaltenfüllung und Leserverblödung.
Vermutlich seien zwei Menschen in MV Vorpommern an den Folgen der Schweinegrippe gestorben. ...
Jahaaa, kann nicht oft genug wiederholt werden! Es ist also immer noch kein ursächlicher Zusammenhang zwischen Grippe und Todesursache nachgewiesen worden. Dabei wusste die OZ schon vor etwa zwei Wochen:
Erste Schweinegrippe-Tote in MV
Oder doppeldeutig:
Schweinegrippe: Erste Tote in MV
Zweites Beispiel:
Saison zu Ende - Arbeitslosenzahl steigt
Das Ende der Tourismussaison macht sich auf dem Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern bemerkbar. Die Zahl der Erwerbslosen ist nach Experteneinschätzung im November im Vergleich zum Oktober wieder gestiegen, liegt aber aller Voraussicht nach unter der Novemberzahl von 2008. ...
Dass die Zahlen nichts besagen und Vergleiche mit früheren Zahlen sowieso Blödsinn sind, hält die OZ wider besseres Wissen nicht davon ab, den Quark seit Jahren Monat für Monat  zu vervielfältigen. Irgendwie müssen die Spalten - und seien es die im Online-Auftritt - gefüllt werden.

Wer wen entschudigen kann

... ist in der OZ allgemein nicht bekannt, sonst würde nicht ein Leserbrief mit getarnter Berichtigung dies enthalten:
Anmerkung der Redaktion: Liebe Emma, da ist uns leider etwas durcheinander gekommen. Ich entschuldige mich und verspreche Dir, dass auf der nächsten Kinderseite beide Bilder mit der richtigen Unterschrift erscheinen. Deine Frieda
Ist doch nett, oder? Nein ist es nicht!
Es ist doch ganz einfach (nicht für OZ-Redakteure):
Nur Emma kann den Fehler Friedas entschuldigen. Wenn sich Frieda herausnimmt, sich selbst zu entschuldigen, zeugt das davon, wie arrogant sie ist.

Es bleibt dabei: Dass die OZ es nicht fertig bringt, eine Korrekturspalte einzurichten und nachgewiesene Fehler seit Monaten auf der Meinungsseite - also als Meinung, nicht als Tatsache - nur als Leserbrief zulässt, ist feige, zugleich überheblich und zeugt von einem gestörten Verhältnis zu den Lesern, denn die sollen in dem Glauben bleiben, die OZ mache keine Fehler.

OZ macht es möglich: 2000 Menschen in der Usedomer Aula

Was manche OZ-Redakteur gut können? Sie können gut übertreiben, wie heute in der Usedom-Peene-Zeitung:
Usedom im Bauchtanzfieber
Das ist weder originell noch richtig.
Gemeint sind wahrscheinlich die Einwohner der Stadt Usedom.
Diesmal hatte die Bauchtanzgruppe "Habibi Oriental" in die märchenhaft geschmückte Schulaula eingeladen.
Eine Schulaula ist ein weißer Schimmel, denn Aula: Fest-, Versammlungssaal in [Hoch]schulen.
Und wieder ließen sich die dichtgedrängt sitzenden Zuschauer mitreißen von den Klängen und Tänzen der Mädchen und Frauen in ihren verheißungsvollen Kostümen.
Wie viele Usedomer passen dichtgedrängt sitzend in die Aula? Die OZ-Leser erfahren es es nicht. Was verhießen die Kostüme? Auch das erfahren die Leser nicht.
In der Stadt Usedom leben knapp 2000 Menschen, eine Zahl, die ich übrigens auf der offiziellen Webseite der Stadtinformation nicht fand.
Wer sich die Hose mit der Kneifzange anzieht, glaubt der OZ, dass diese 2000 Leute alle in der Aula zuschauten und dabei fieberten.
Unterstützt wurde die besondere Atmosphäre durch ein orientalisches Bufett, das wiederum vom Gasthaus Natzke gezaubert wurde.
Genau, ein wenig Schleichwerbung musste sein, denn es ist völlig egal, wer das Buffett anrichtete.
Dass Usedom keineswegs im Bauchtanzfieber ist, belegt die OZ selbst:
15 Kinder und 19 Erwachsene kommen in der Inselstadt einmal wöchentlich zusammen ...
... wobei fraglich ist, ob alle Usedomer sind, 2000 sind es jedenfalls auch nicht. Wäre Usedom im Bauchtanzfieber, brauchte nicht Reklame für die Tanzkurse gemacht werden:
Am 15. Januar beginnt in der Alten Post in Heringsdorf ein neuer Bauchtanzkurs für Kinder (ab 4 Jahre) und Erwachsene.
Anmeldungen sind unter ... noch möglich. In Usedom können leider nur noch Kinder berücksichtigt werden. ...
Nachdem ich das gelesen hatte, verstand ich, warum der Artikel geschrieben worden war - Werbung für Bauchtanzkurse.

Hochschulthema

Jaja, da hatten Studenten u.a. wegen der schlechten Studienbedingungen protestiert. Die OZ hat ein paar Mal darüber berichtet. Das wars, ein normaler Vorgang in der OZ.

Kein Wunder also, dass so etwas, wie unten beschrieben, nur anderswo passiert, nicht in M-V, stünde ja sonst in der Zeitung, die vorgibt, hier zu Hause zu sein:

An Thüringer Universitäten werden Studierende von Sozialhilfebeziehern ausgebildet. Doch die betroffenen Lehrkräfte wehren sich

Sie ist Dozentin, lehrt an einer deutschen Universität - und lebt von Sozialhilfe. »Ich bin Hartz-IV-Empfängerin (gemeint ist wohl Alg 2-Bezieherin)«, erzählt Heike S. Gerade mal 470 Euro im Monat bekommt die alleinerziehende Mutter für ihre Arbeit an der Hochschule. Dabei entspricht der Umfang ihrer Lehrveranstaltungen einer halben regulären Stelle. Heike S. ist kein Einzelfall. Ihre Kollegin Yvonne K. scheut sich, Hartz IV zu beantragen, obwohl ihr etwa 100 Euro zustünden. Sie will nicht ihr gesamtes Leben offenlegen. Da sie ihre Sozialversicherung selbst bezahlen muß, bleiben ihr nur 207 Euro zum Leben.

Beide Frauen sind Lehrbeauftragte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Als Selbständige halten sie Seminare und Vorlesungen. ...

OZ hat es in die "Zeit" geschafft - als schlechtes Beispiel

Die OZ hat es wieder in ein überregionales Medium geschafft - als schlechtes Beispiel.

Im Fleischervorstadtblog wurde der lange Artikel in der "Zeit" zusammengefasst und um weitere Kritiken erweitert, die vor allem ein Bild der Greifswalder Redaktion zeigen, dem ich zustimme.

30.11.09

Offene Fragen

Mehrere Pressemitteilungen, die ich erhielt (Danke!), haben die Energiepolitik im Land M-V zum Inhalt (Anlass war die energiepolitische Konferenz in Rostock). Dabei ist bemerkenswert, dass sich in der Landes-SPD ein Wandel abzeichnet:

"Wir müssen davon wegkommen, dass wir große zentrale Kraftwerkseinheiten haben, die über lange Leitungen das kleinste Dorf versorgen, bei denen aber ein Großteil der erzeugten Energie als Wärme in Luft oder Wasser abgegeben wird", forderte Sellering. Viel besser seien kleine dezentrale Einheiten, durch die sich der ländliche Raum selbst mit Energie versorgt. Diese hätten in der Regel zwei Vorteile. "Bei kleinen Kraftwerken kann die Abwärme oft vor Ort genutzt werden. Und sie sind Ausgangspunkt für regionale Wirtschaftskreisläufe, weil Zulieferer, Produzenten und Abnehmer meist aus der Region stammen."

Hier wurde der Landes-SPD ein Ziel vorgeschlagen:

Unser Ziel ist es, im Bereich der Energieerzeugung durch regenerative Energiequellen qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen, technologische Entwicklungen zu fördern, neue Produkte zu entwickeln, Wertschöpfung zu erzeugen und Wachstum zu ermöglichen. Mecklenburg-Vorpommern bringt aufgrund seiner klimatischen und geologischen Bedingungen die besten Voraussetzungen dafür mit, zum Vorreiter in Sachen Erneuerbare Energie zu werden.

Vom Rumsteher Seidel (CDU), Dongs Kohlenmunk-Jürgen, wurde nichts Neues bekannt (er erhebt sich also nicht zu guter Letzt doch noch aus dem Kohlendreck):

"Dennoch kann eine Industrienation wie Deutschland (das Gesundheitsland MV schon! Bemerkung des Hinweisgebers) auch langfristig nicht auf die Nutzung fossiler Energieträger verzichten", sagte Seidel. 

Bemerkenswert ist auch, dass kein Bonze darüber schwadronierte, in M-V müsse mehr Elektroenergie hergestellt werden. Das traut sich nicht einmal mehr der Rumsteher. Wäre als Argument für das Kohlekraftwerk angesichts der Tatsachen auch zu blöd gewesen, denn der Energieverbrauch will und will nicht zunehmen im Land, z.B. im verarbeitenden Gewerbe. Dort wurden 2008 sogar 0,5 Prozent weniger Elektroenergie verbraucht als 2007.

Schon für das Jahr 2006 hatte der Rumsteher mitteilen lassen:

Die Stromerzeugung in Mecklenburg-Vorpommern hat sich seit 1995 mehr als verdoppelt, während der Stromverbrauch in den letzten Jahren annähernd konstant geblieben ist.
... um daraus mit Kohlenmunk-Jürgens Logik völlig falsch zu schlussfolgern (für Dong und nur für Dong völlig richtig):

"Kohle bleibt dabei als Energieträger im Industrieland Deutschland unverzichtbar“, sagte Seidel.
Fragt sich nur, wie die beiden Koalitionäre in Sachen Energie zusammenarbeiten können. Es geht ja wohl nur gegeneinander. Und was bedeutet das für das Land, in dem wir zu Hause sind?

Kein Thema für die OZ!

Vorbereitung für Hochwertiges

Es ist lobenswert, wenn ein OZ-Redakteur mit dem Chef der Arge Stralsund spricht, weil die Arge im Interesse der Steuerzahler gegen Unternehmen vorgeht, die ihre Beschäftigten weit unter dem Wert der Arbeitsleistung bezahlen.
Zwar fand er heraus:
Der einsame Kämpfer gegen den Wucherlohn
Doch beeindruckt hat es den Redakteur nicht. Denn spätestens nach dieser Aussage hätte der Redakteur mit der Recherche beginnen müssen:
OZ: Gibt es noch andere Argen in Deutschland, die gegen Lohnwucherer klagen?
Hüfken: Mir sind bislang keine bekannt.
Ist es tatsächlich so, dass alle anderen Argen und Optionskommunen lieber Zuschüsse zu Löhnen zahlen, statt nachzuforschen, ob nicht gesetzwidrige Unterbezahlung der Grund für die Zuschüsse aus Steuermitteln ist?
Wenn das so sein sollte, warum ist es denn so?
Geht das die Leser nichts an?
Sind nicht alle Leser Zahler oder Empfänger von Steuergeld und müssten ein Interesse daran haben, dass ihr Geld oder ihnen zustehendes Geld anderweitig Unternehmen geschenkt wird?

Berichtete die OZ hier ausführlich weiter, entstünde Hochwertiges.

Schon heute kostenlos alle Dezember-Zeitungen lesen

Morgen gehts los mit dem Dezember. Für jene, die mit dem Gedanken spielen, sich im Dezember eine Zeitung zuzulegen, empfehle ich, den Entscheidungsprozess abzukürzen. In diesem Blog erfahren Sie schon heute kostenlos, was ab morgen in den Dezember-Zeitungen stehen wird, z.B.:

Zehntens: Der Einzelhandel äußerte sich zufrieden.
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